Schaumburger Nachrichten 07.01.2010

Schnee und Solaranlage zu schwer: Samtgemeinde macht Sporthalle dicht

Firma wollte Dach entlasten, doch es gab keinen Termin mit der Verwaltung / Vereine stehen vor der Tür

Sporthalle

"Sicherheit geht vor": Nenndorfs Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese hat
die Sporthalle in Haste wegen der Schneelast bis auf Weiteres gesperrt.


Das dürfte den Sportvereinen im Norden Nenndorfs sauer aufstoßen. Die Sporthalle in Haste ist seit Montag aus Sicherheitsgründen geschlossen. Der Grund: die drückende Schneelast. Im Rathaus sorgt man sich, die Statik könnte nicht reichen, zumal sich seit dem Frühjahr eine vier Tonnen schwere Solaranlage auf dem Dach befindet. Die Firma weist allerdings die Schuld von sich. Die Statikberechnungen liegen schon länger vor. Weil sich allerdings mit der Verwaltung kein Termin für die Abschlussbesprechnung fand, wurde das Dach nicht entlastet.

HASTE. Die schlechte Nachricht erreichte Horst Gümmer beim Rodeln mit dem Enkel am Schlösschen. Ein aktives Mitglied aus der Gymnastikgruppe fragte den Vorsitzenden des ETSV Haste, was denn mit der Sporthalle los sei. Dieser war völlig ahnungslos.

Seit gestern Morgen ist Gümmer schlauer. Die Halle bleibt vorerst dicht, weiß er nach einem Telefonat mit dem Samtgemeindebürgermeister. Er kann nachvollziehen, dass die Behörden nach dem Unglück in Bad Reichenhall vorsichtig sind. Allerdings kritisiert er die Informationspolitik der Samtgemeinde. Für die Sportgruppen und Handballer, die zum Teil aus der Region Hannover kommen, hatte der Hausmeister lediglich einen Zettel an die Tür geklebt: "Halle zu. Wegen zu starker Dachbelastung", lautet die mit rotem Filzstift geschriebene Mitteilung. Auch kritisiert Gümmer, dass der Bau der Solaranlage nun dazu geführt haben könnte, dass die Statik der Halle nicht mehr reicht.

Doch für Diplom-Ingenieur Horst Roch aus Rodenberg trägt nicht die Solargemeinschaft die Schuld, dass Schüler und Sportler nun draußen bleiben müssen. Er hörte erst gestern durch die SN von der Schließung, kann aber verstehen, dass die Samtgemeinde auf Nummer sicher geht. Allerdings macht die Solaranlage nur einen geringen Teil des Gewichtes aus, so Roch. Diese wiegt vier Tonnen, hinzu kommen vier Tonnen Windlast, die bei Sturm auf die Module drücken. Die entsprechende Menge an Kies wollte Roch schon längst abgenommen haben, doch durch Extrawünsche aus dem Rathaus habe sich die Maßnahme verzögert.

Erfahrungsgemäß liegt eine Solaranlage noch in der "Belastungsreserve", so Roch. Doch nach seinen Worten wog das Haster Dach schon vor der Installation nach zwei Sanierungen "eine Ecke" mehr als gedacht. Dieses hatte die Solarfirma auf Wunsch der Samtgemeinde und "auf eigene Kosten" ermittelt, da es für die Konstruktion keine Pläne mehr gab. "Da wurde uns gesagt, wir sollten das gleich mal mitmachen." Deshalb habe er für die Sportstätte die Statik nicht nur wie sonst einmal, sondern insgesamt dreimal berechnen lassen.

Die Gefahr war also bekannt, doch gehandelt wurde nicht. "Wir hätten das gerne noch vor dem Winter erledigt", erklärt Roch. Bei einem Abschlusstreffen sollte erst noch geklärt werden, wie viele Tonnen die Gesellschaft nun vom Dach holen soll. Er habe mehrmals nachgefragt, aber es habe sich kein Termin gefunden. "Das ist immer schwer mit Nenndorf", sagt der Fachmann, der einräumt, auch nicht immer Zeit dafür gehabt zu haben. Gut 200 Kilogramm pro Quadratmeter könne das Dach aushalten, was etwa einem Meter Neuschnee und 37,5 Zentimeter feuchtem Pappschnee entspreche. Das Gewicht der Solaranlage käme laut Roch etwa 2,5 Zentimetern Pappschnee gleich, also "nur einem minimalen Anteil".

Eine schnelle Lösung hat auch der Solarberater nicht parat. "Jetzt können wir nichts machen." Erst wenn der Schnee getaut ist, könnten die Arbeiter nach oben und den Kies entfernen. Wenigstens scheint ein Termin mit der Verwaltung gefunden. Nächste Woche soll es ein Treffen geben.

"Die Sicherheit geht vor", sagt Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese. Er gibt sich am Telefon zugeknöpft und will erst den Samtgemeindeausschuss informieren. Zu den von Roch geschilderten Vorgängen um den Bau der Solaranlage und die Statik nimmt er vorher keine Stellung. Die Halle bleibe bis auf Weiteres geschlossen.

Auch zum Umgang mit den Sportlern verliert er wenig Worte. "Der Hausmeister hat die Vereine informiert", lautet sein Statement. Er habe nicht gewusst, dass die Halle in den Ferien genutzt wird. In Bad Nenndorf sei das anders. Reese hält die Öffentlichkeit damit für ausreichend informiert und legt im SN-Gespräch den Hörer auf. Fragen nach möglichen Lösungen für den Schul- oder Vereinssport kann die Redaktion ihm erst gar nicht stellen.

Die Sportler aus Haste, Hohnhorst und Rehren dürfte diese Reaktion kaum zufriedenstellen. In der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Dienstag kritisierte SPD-Ratsherr Heinz-Joachim Gresel aus Haste am Rande der Haushaltsdebatte die offenbar inkompetente Betreuung des Projektes durch das Bauamt. Die anderen Politiker waren ebenfalls erstaunt über die Nachricht. Reese ließ den Ärger darüber weitgehend unkommentiert.

Auf ihn und seine Verwaltung können die Oberliga-Handballer der Spielgemeinschaft Hohnhorst-Haste jedenfalls nicht warten. Sie sind laut ETSV-Chef Gümmer längst auf der Suche, wie und wo sie sich auf ihr nächstes Match am Sonntag vorbereiten können. rwe

Horst Gümmer

Nur ein Zettel an der geschlossenen Hallentür: ETSV-Chef Horst Gümmer hätte einen Anruf aus dem Rathaus erwartet.