Thomas Wandschneider wird "Behindertensportler des Jahres"
Wulff und Enke nehmen die Ehrung vor / "Schon Nominierung zu dieser Wahl ist eine Auszeichnung"
REGION HANNOVER. Robert Enke präsentierte sich, wie man ihn bei Fußball-Bundesligaspielen Im Tor
von Hannover 96 kennt: sachlich, zielstrebig und schnörkellos. Ohne lange Vorrede kam er Donnerstag
Abend zum Höhepunkt der Gala des BehindertenSportverbandes Niedersachsen (BSN).
"Behindertensportler des Jahres 2006" ist Thomas Wandschneider, sagte der 28-jährige nach wenigen
einleitenden Sätzen und lüftete damit das Geheimnis, wer die Nachfolge des Bogenschützen Hermann
Nortmann angetreten hat. Eine Überraschung war es nicht, die Enke verkündete. Wandschneider, der im
Oktober 2005 zweimal Weltmeister im Rollstuhl-Badminton geworden war, galt auf Grund dieses
überragenden sportlichen Ergebnisses als Favorit unter den sechs Kandidaten. "Mit Disziplin und
Willenskraft hast du dich in Rekordschnelle nach vorn gespielt", sagte Laudator Enke anerkennend,
und diese Eigenschaften haben auch mehr als ein Drittel der 41.645 Einsender bewogen, dem Sportler
der RSG Langenhagen ihre Stimme zu geben.
"Du bist ein großartiger Sportler", führte Enke weiter aus, den Laudator beeindruckte vor allem, mit
welcher Dynamik Wandschneider seinen Sport ausübt und mit welcher Beweglichkeit er seinen Rollstuhl
beherrscht. "Es macht einfach Spaß, dir zuzusehen", sagte er. Doch der 96-Torwart vergaß auch nicht,
die anderen Kandidaten zu würdigen. "Ich habe großen Respekt vor eurer Leistung und empfinde euch
alle als echte Vorbilder", sagte er an die Adresse von Rollstuhl-Basketballspielerin Alke Behrens,
Leichtathletin Claudia Brümmer, Fußballerin Nele Freier, Wasserballspieler Cord Gehrke und
Sledge-Eishockeyspieler Udo Segreff und ergänzte, dass alle den Titel "Behindertensportler des
Jahres" verdient hätten. Dieser Ansicht war auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian
Wulff, der die Schirmherrschaft für die Wahl übernommen hatte.

Robert Enke (stehend, v.li.), Cord Gehrke, Udo Segreff, Nele Freier, Claudia Brümmer,
BSN-Präsident Karl Finke, MP Christian Wulff, Alke Behrens (vorne v.li.) und Thomas Wandschneider.
Foto: privat
"Schon die Nominierung zu dieser Wahl ist eine Ehre und Auszeichnung", sagte er. "ich gratuliere ihnen
zu ihren Erfolgen persönlich und auch im Namen der Landesregierung ganz herzlich." Wulff hob aber auch
die integrative Bedeutung gerade des Behindertensports und dessen Vorbildfunktion hervor. Und er lobte
ausdrücklich die Arbeit des BSN nicht nur bezogen auf die Sportlerwahl, die auch bei ihrer sechsten
Auflage eine beeindruckende Publikumsresonanz gefunden hat.
Auch die gute Arbeit im Leistungssport, dokumentiert durch zehn niedersächsische Teilnehmer an den
Winterparalympics in Turin (10. bis 19. März), würdigte der Ministerpräsident. Und er verwies
auf einen sportlichen Höhepunkt des Behindertensports im Spätsommer in Niedersachsen die
Fußball-Weltmeisterschaft der geistig Behinderten mit Spielen in Hannover, Braunschweig, Wolfsburg
und Celle. "Ich werde den mir im Dezember überreichten Fanschal bei meinem Besuch mitbringen",
versprach der CDU-Politiker.
Diese Ankündigung freute BSN-Präsident Karl Finke, der dem Ministerpräsidenten ausdrücklich für
dessen Engagement dankte. Finke würdigte zudem den Einsatz der Sponsoren und Medienpartner im
Behindertensport. "Sie haben dafür gesorgt, dass die Menschen in Niedersachsen und darüber hinaus
von der Wahl erfahren und an ihr teilgenommen haben", sagte er. "Sie haben den Menschen den
Behindertensport wieder ein Stück näher gebracht." Und Finke vergaß in seiner Rede auch zwei
besondere Unterstützer der Sportlerwahl nicht: Moderator Andreas Kuhnt für die launige Verbindung
der Programmteile und Gastgeber Werner Buss, Chef des GOP-Varietés, in dessen "wunderbarem Ambiente"
die Behindertensportler sich mittlerweile wie zu Hause fühlen.
Kritik an Wandschneiders Verhalten vor der Wahl
LANDKREIS (df). Der Sieg von Thomas Wandschneider bei der Wahl "Behindertensportler des Jahres 2006"
ist ohne Frage eine richtige Würdigung seiner sportlichen Leistungen, trotzdem bewirkt sein Verhalten
im Vorfeld dieser Wahl einen schalen Beigeschmack. In Supermärkten, Schulen, Banken und Apotheken
hatte der Lindhorster Stimmkarten für die Wahl verteilt, die bereits mit einem Kreuz bei seinem
Namen versehen waren. Der BSN (Behinderten Sportverband Niedersachsen) hatte Wandschneider daraufhin
darauf hingewiesen, dass die Art, bereits ausgefüllte Stimmkarten in den Umlauf zu bringen, nicht
vertretbar sei. "Wir halten diese Beeinflussung der Wähler für moralisch verwerflich und sind uns
sicher, dass damit die gesamte Veranstaltung in ein schlechtes Licht gerückt wird", schrieb Udo
Schulz vom Organisationsteam der BSN in einem Brief an Wandschneiders Verein, die BSG Lindhorst.
Zudem wurde diese Beeinflussung juristisch überprüft. "Es gibt rechtlich keine Handhabe dagegen,
dass die Stimmkarten in o.g. Weise ausgelegt werden", so Schulz weiter. "Alle Menschen, die diese
Stimmkarten versenden und mitmachen, haben die Möglichkeit eine Veränderung an der Karte vorzunehmen
und für einen anderen Kandidaten abzustimmen."