INTERVIEW DER WOCHE
Oliver Pongratz ist seit 1992 Deutschlands bester Badminton-Spieler im
Herren-Einzel. Der 26-Jährige verdient sein Geld als Zeitsoldat bei der
Sportförderkompanie in Mainz und setzt im Jahr der Olympischen Spiele alles
daran, sich für Sydney zu qualifizieren. Der siebenmalige deutsche Meister
vom Berliner SC will am Wochenende bei den deutschen Badminton-Titelkämpfen
in Bielefeld sein Können demonstrieren.

"Die dümmste Ausrede ist: Das Spiel ist zu schnell"
Herr Pongratz, am Sonntag schlagen Sie vielleicht
zum achten Mal zum Titelgewinn im Einzel auf. Sind Sie konkurrenzlos gut?
Nach sieben Titeln in Folge kann mein Ziel nur heißen,
den Titel zu verteidigen. Die Konkurrenz kommt hauptsächlich aus dem eigenen Lager,
bei mir aus der Trainingsgruppe. Das sind die Brüder Mike und Björn Joppien. Björn
hat die Junioren-EM gewonnen - ein Riesentalent. Aber ich besitze jahrelange
Erfahrung. Alles andere als ein Finalsieg käme überraschend.
In Ihrer Sportart kämpfen Sie mit vielen
Vorurteilen. Was sagen Sie den Kritikern, die behaupten, Sie würden Ihre Zeit
mit "Rasierpinsel-Tennis" verschwenden?
Man sollte positiv von unserer Sportart sprechen wie
von anderen auch. Wir haben es schwer genug. Im Unterschied zum Federball geht es
viel mehr um Schnelligkeit und Sprungvermögen. Viele, die unseren Sport live
gesehen haben, akzeptieren Badminton als Leistungssport.
In einer Sportzeitschrift erzielten Sie neulich
in der Rubrik "Ich bin auch noch da" ein wenig Aufmerksamkeit...
Ich habe nie gesagt, "Hallo, beachtet mich mal". So
schlimm ist es noch nicht.
Bis zum 30. April können Sie bei internationalen
Turnieren Punkte für die Olympia-Qualifikation sammeln. Wie stehen Ihre Chancen?
In der Weltrangliste stehe ich nur auf Platz 46,
aber für die Nominierung fallen alle Spieler der Länder heraus, die mehr als drei
Athleten in der Wertung haben. Demnach wäre ich schon auf dem 28. Platz. Wenn
ich unter den ersten 20 stehe, bin ich dabei.
Im Fernsehen ist die Sportart Badminton hier
zu Lande nicht existent. Woran liegt das?
Die dümmste Ausrede ist immer: Wir können schlecht
eine Kamera platzieren, das Spiel ist zu schnell. Selbstverständlich ist das
möglich. Man bekommt bei einer TV-Übertragung die Schnelligkeit vielleicht
nicht ganz so mit, aber das ist im Tennis genauso. Badminton im Fernsehen
kann unglaublich spannend sein. Ich hoffe, dass sich da bald einiges ändern wird.
Die Sportart Badminton soll dem so genannten
Beachminton als professionelle Strandvariante den Markt erobern. Für wie
aussichtsreich halten Sie dieses Unterfangen?
Vergangenes Jahr habe ich Anfang August den ersten
Weltcup in München mitgespielt. Beachminton macht einfach Spaß, aber es ist
schwierig, mit dem Wind draußen fertig zu werden. Langfristig wird sich das wohl
nicht durchsetzen.
Außer einem abgebrochenen Fachabitur haben Sie
keine Ausbildung vorzuweisen. Wie sieht Ihre Zukunft nach der Badminton-Karriere
aus?
Ich habe alles auf die Karte Badminton gesetzt.
Ich bereue jedoch nichts. Eine Trainertätigkeit könnte ich mir vorstellen.
Aufgaben im Management bei einer Sportartikelfirma oder in einem Sportcenter
ebenfalls.
Mit Oliver Pongratz sprach unsere Mitarbeiterin Anne Schildmacher